Der Neuling unter den Jazzfestivals trumpft im zweiten Jahr tüchtig auf. Mit Mitmach-Angeboten hieven die Macher Jazz in die Stadtgesellschaft.

So eine Konstellation bekommt auch nur das Gdanska hin: Auf dem Wandgemälde hinter den vortragenden „Hömma“-Machern zeigt sich Chopin als junger Revolutionär; dazu hat Gastgeber Czeslaw Golebiewski geschmeidigen Gitarren-Blues aufgelegt. Ganz so weit ist die stilistische Spanne vom 12. bis 16. September nicht – doch mit der zweiten Auflage ist Oberhausens Jazzfestival schon sehr nah dran, auch die Klassik und den Rock zu umarmen.

„Es ist fast das Doppelte an Programm des letzten Jahres“, konstatiert Peter Baumgärtner, neben Organisator und seinem „Sensitive Colours“-Kompagnon Uwe Muth das Herz des Festivals. Beide wagen sogar mit zwei Terminen erste Schritte über die Innenstadt hinaus. In der Summe sind’s 16 Konzerte an fünf Festival-Tagen.

Trompetenklang in der Christuskirche

Zum Auftakt am Mittwoch, 12. September, um 20 Uhr musiziert mit Markus Stockhausen und „Quadrivium“ einer der renommiertesten deutschen Trompeter in der Christuskirche an der Nohlstraße. „Er nimmt den Termin als Auftakt für eine NDR-Produktion“, erzählt Peter Baumgärtner – und beschwärmt die Schönheit der meditativen Stockhausen-Musik.

Jazz- und Soulsänger Jeff Cascaro singt am zweiten Hömma-Abend im Zentrum Altenberg.

Dank des „Interkulturellen Mitsingens“ am Donnerstag auf dem Saporishja-Platz ergatterten die „Hömma“-Macher sogar eine Förderung des sonst auf Kreativzentren kaprizierten „Ecce“-Subventionstopfes. Vor allem aber geht es Uwe Muth darum, den Jazz in die Stadt und zu den Menschen zu bringen: „Die Meisten denken an Free Jazz und schmerzende Ohren – oder an Dixieland.“ Beides ist bei Hömma nicht zu befürchten.

Stattdessen liefert der Donnerstag mit Igor Lazarev einen russischen Gitarrenvirtuosen und mit Jeff Cascaro eine erste Adresse des Soul-Jazz. Das Doppelkonzert steigt um 20 Uhr im Zentrum Altenberg, das fürs zweite Hömma die Rolle des Ebertbades übernimmt.

Zwei Kirchenkonzerte abseits des Erwartbaren bestimmen das Freitags-Programm am 14. September: Das Duo „Shatabdi“ sorgt zunächst um 19.30 Uhr in der Christuskirche für indische Klangfarben. Nach einem kurzen Spaziergang ist man beim knalligen Bläser-Jazz der Talking Horns in der Herz Jesu Kirche am Altmarkt.

Jazz beim Frisör

Diese Hörner haben zwar auch Erfahrung als Marchingband – doch durch die Innenstadt swingen am Samstag zur besten Einkaufszeit der Steeldrummer Bima plus Rio Bravo. Auf dem Altmarkt lädt Michael Bradtke, ein Virtuose als Pädagoge wie als Musiker, Groß und Klein zum Musizieren ein. Und viele Mitmacher wünscht sich Uwe Muth auch für sein Herzensding: den Jazz beim Frisör „Goldene Schere“ in der Stöckmannstraße.

Gleich vier Konzerte sorgen am Samstagabend für die Qual der Wahl: Rosani Reis gibt mit Sohn und Tochter bei Surmanns in Osterfeld ein brasilianisch timbriertes Mitmachkonzert. Im K 14 trommelt der Jazzpool um Meisterdrummer Peter Weiss „Sketches“ in den glühenden Farben Spaniens. Marlene Meldrum-Hunt und Stefan Werni genügen im Falstaff eine große Stimme und ein großer Kontrabass. Und im Gdanska darf Festivalmacher Peter Baumgärtner endlich selber trommeln: als Motor des Jazzkarussell-Quintetts.

Für die Sonntags-Matinee am 16. September ist das Autohaus Becker France in Buschhausen der perfekte Gastgeber – und verspricht zur Musik von „Jazz hoch Drei“ feines Catering von Stefan Opgen-Rhein. Die Akustik in der schicken Autohalle soll ebenfalls top sein.

Den Nachmittag gestaltet, wieder im Zentrum Altenberg, das Junge Orchester der städtischen Musikschule mit einer Melange aus Jazz und Klassik. Und der Abend im Theater gehört dann (wir berichteten) dem US-Star Lizz Wright und der WDR Big Band.

Für 50 Euro lassen sich 16 Konzerte erleben

So günstig gibt’s so guten Jazz kaum woanders: Das Festivalticket kostet 50 Euro (also einen Zehner pro Tag), das Tagesticket 20 Euro. Die Freilicht-Auftritte vom „Interkulturellen Mitsingen“ bis zum „Jazz beim Frisör“ sind sogar gratis.

Quelle: WAZ, Ralph Wilms